Lüftung / Lüftungskonzept

 

In vielen modernisierten Gebäuden, aber auch in Neubauten haben sich Feuchte-schäden ergeben, sofern nicht für eine ausreichende Lüftung gesorgt wurde.

Eine 4-köpfige Familie produziert zwischen 10-17 Liter Wasser/Tag, die in der Raumluft enthalten und von den Umfassungsflächen aufgenommen werden. Die Raumflächen nehmen ca. 2,5 mal so viel Feuchtigkeit auf wie die Raumluft. Bei einer Stoßlüftung werden meist weniger als 30 % des Wasserdampfes abgeführt. Der restliche Wasserdampf wird langsam an die Frischluft abgegeben und muss durch mehrmaliges Lüften entfernt werden. Wird dies nicht eingehalten, ist Schimmel-pilzbildung die Folge. Ein Hygrometer mag hier aufmerksamen Nutzern helfen.

Bei 80 % relativer Luftfeuchtigkeit wachsen fast alle Schimmelpilzarten. An den Wärmebrücken (Stürze,Leibungen, Außenecken) ist dieses Schimmelpilzwachstum als erstes zu begutachten.

Schimmelpilzbildung auf der Bauteiloberfläche:


Kühlt sich an den Wärmebrücken die 20° warme Luft mit 50 % relat. Luftfeuchtigkeit auf weniger als 12,6 ° ab, so besteht die Gefahr von Schimmelpilzbildung

 

Im Neubaubereich fordert die EnEV im § 6 Dichtheit und Mindestluftwechsel:

„(1) Zu errichtende Gebäude sind so auszuführen, dass die wärmeübertragende Umfassungsfläche einschließlich der Fugen dauerhaft luftundurchlässig entsprechend den anerkannten Regeln der Technik abgedichtet wird…….“

„(2) Zu errichtende Gebäude sind so auszuführen, dass der zum Zwecke der Gesundheit und Beheizung erforderliche Mindestluftwechsel sichergestellt ist.“

 

Nicht nur für neu zu errichtende Gebäude sondern auch für modernisierte Gebäude mit lüftungstechnisch relevanten Änderungen ist ein Lüftungskonzept nach DIN 1946-6 zu erstellen.

Eine Modernisierung eines bestehenden Gebäudes ist dann lüftungstechnisch relevant, wenn

  • im MFH mehr als 1/3 der vorhandenen Fenster ausgetauscht werden und
  • im EFH mehr als 1/3 der vorhandenen Fenster ausgetauscht bzw. mehr als 1/3 der Dachfläche abgedichtet werden.

 

Da es kaum möglich ist, „definiert undicht“ zu bauen, müssen bei den heutigen dichten Bauweisen i.a. Lüftungssysteme geplant und eingebaut werden.

"Wir bauen also Thermoskannen und pieksen hinterher Löcher hinein" (Zitat eines Lüftungsfachmannes).

In wieweit dies der Weisheit letzter Schluss ist, mag dahingestellt sein.

Fakt ist, dass vor allem bei der geforderten dichten Bauweise ein gewisser nutzerunabhängiger Mindestluftwechsel sichergestellt sein muss.

Es stellt sich die Frage, ob eine kostengünstige "freie Lüftung" mit entsprechenden Lüftungsöffnungen einfachster Art oder sensorgesteuerte Produkte oder ventilator-gestützte Systeme zum Einsatz kommen sollen. Über die Vor-und Nachteile sollten Sie sich von einem/er unabhängigen Fachmann/frau beraten lassen. Systeme nur mit Vorteilen gibt es m.E. nicht.

Soll eine Wärmerückgewinnung erfolgen, muss auf ventilatorgestützte Systeme zurückgegriffen werden. Eine Zu-und Abluftanlage mit Wärmerückgewinnung kann bei fachmänischer Planung, Ausführung und Wartung sehr komfortabel sein. Sie ist jedoch sehr aufwändig und teuer, zudem ergeben sich Wartungs - und Betriebskosten. An Planung, Ausführung und Wartung sollte hierbei nicht gespart werden, wenn man eine geräuscharme, zugfreie und hygienisch einwandfreie Lösung anstrebt. Ausreichende Filter, Schalldämpfer, Verteilsysteme mit glatten nicht gestauchten  und geknickten Leitungen, gedämmten warmen Leitungen im kalten Bereich, gedämmten kalten Leitungen im warmen Bereich, fachlich sauber ausgelegte und angeordnete Einlass- und Überströmventile etc. sind zu berücksichtigen.

Ob sich solch eine Anlage unter dem Gesichtpunkt der Kosten amortisiert ist m. E. sehr fraglich.

 

 

 

 

Energieberatung

Dipl. Ing. (FH),

Volker Marx